Neben der Belastung des Abwassers mit anthropogenen Spurenstoffen sind auch die Einträge von Mikroplastik und multiresistenten Keimen im Fokus von Öffentlichkeit und Politik. Die Regierungskoalition in Bremen hat sich darauf verständigt, in der Abwasserreinigung eine vierte Reinigungsstufe anzustreben, um diese Belastungen des Abwassers zu entfernen. Die hWB hat gemeinsam mit dem Umweltbetrieb und der für die Wasserwirtschaft in Bremen zuständigen Behörde Handlungsempfehlungen für die weitergehende Abwasserreinigung erarbeitet und in Form einer Roadmap mit Maßnahmen und Zeitplan konkretisiert. Die Roadmap wurde in der Umweltdeputation der Bremischen Bürgerschaft im Januar 2021 vorgestellt und von der Politik positiv aufgenommen. Seit Februar 2021 wird ein auf ein Jahr angelegtes Monitoring-Programm für ausgewählte Spurenstoffe in der Kläranlage Seehausen und im Gewässer durchgeführt. Die Handlungsfelder der Roadmap umfassen neben den Einleitungen aus Kläranlagen auch die Einleitungen durch Mischwasserentlastungen und aus der Regenwasserkanalisation. Begleitend ist eine gezielte Kommunikation der Maßnahmen und Aufklärung zur Vermeidung und Verminderung von Stoffeinträgen geplant. 

Die Folgen der Klimaänderungen betreffen das Regenwassermanagement, die Überflutungsvorsorge und auch die Dimensionierung von Kanalanlagen in Deutschland. Gemeinsam mit der Umweltbehörde gestaltet die hWB diesen Veränderungsprozess zur wassersensiblen Stadt aktiv mit. Einige Antworten zur Anpassung an die Klimafolgen wie beispielsweise die Einführung eines Starkregenvorsorgeportals und Konzepte für eine Überflutungsvorsorge als kommunale Gemeinschaftsaufgabe sind bereits gefunden worden und werden auch in Zukunft weiterzuentwickeln sein.

Klimaschutz hatte bereits in der Vergangenheit einen hohen Stellenwert im gesamtgesellschaftlichen Gefüge. Die Bedeutung hat im laufenden Jahr weiter zugenommen. Gerade an Unternehmen der Daseinsvorsorge sind damit hohe Erwartungen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen verknüpft. Seit 2015 ist die hWB bilanziell ein klimaneutrales Unternehmen. Durch weitere Optimierungen sind in 2021 die CO2-Emissionen der hWB so niedrig wie noch nie zuvor.

Zentrale Punkte der im Mai 2020 in Kraft getretenen Düngeverordnung (DüV-20) waren die Novellierung des Nährstoffvergleichs durch die Dokumentation der tatsächlichen Düngemaßnahmen und die Festlegung bundesweit einheitlicher Maßnahmen in nitratbelasteten Gebieten. Zudem haben die Bundesländer belastete Gebiete (sog. „rote Gebiete“) nach einheitlichen Kriterien bis Ende 2020 ausgewiesen. Die Maßnahmen dienen dazu, für eine Begrenzung des Stickstoffgehaltes im Boden zu sorgen, was unter anderem durch die Verlängerung von Sperrzeiten für die Ausbringung von Dünger und damit auch Klärschlamm erreicht wird. 

Die Klärschlammverordnung mit Stand vom 3. Oktober 2017 sieht als zentrales Element vor, dass nach Ablauf bestimmter Übergangsfristen bei allen Kläranlagen Phosphor aus dem Klärschlamm oder aus der Klärschlammverbrennungsasche zurückgewonnen werden muss. Die Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor greift in den Fällen, in denen der Klärschlamm einen Phosphorgehalt von 20 Gramm oder mehr je Kilogramm Trockenmasse aufweist. Die Verordnung gibt keine bestimmte Technologie zur Phosphorrückgewinnung vor, sondern lässt genügend Spielraum für den Einsatz oder die Entwicklung innovativer Rückgewinnungsverfahren. In den nächsten Jahren wird dies eine hohe Relevanz haben. Die hWB hat frühzeitig durch vertragliche Regelungen die Weichen für eine nachhaltige Entsorgung des Klärschlamms und des Phosphorrecyclings gestellt.

Die vielfältigen Aspekte der Digitalisierung beschäftigen auch zunehmend die Abwasserbranche. Neben der Schaffung weiterer erforderlicher Grundlagen und der Wahrnehmung von Entwicklungschancen stellt insbesondere die Einstufung als kritische Infrastruktur mit dem IT-Sicherheitsgesetz und der Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz (BSI-Kritisverordnung) besondere Anforderungen an die IT-Sicherheit, den Datenschutz und die Qualifikation von Fachkräften.